Magic: The Gathering graden – Alpha, Beta, Reserved List
Was du beim Grading von Magic-Karten beachten musst: Alpha/Beta-Besonderheiten, Reserved List, Altered Cards und der Vergleich PSA, BGS, CGC, ART Grading.

Magic: The Gathering ist nach Pokémon das zweitgrösste TCG-Segment im DACH-Raum – und das Grading funktioniert hier anders als bei modernen Pokémon- oder Yu-Gi-Oh!-Karten. Alpha- und Beta-Karten aus 1993 hatten produktionsbedingte Schwächen, die Reserved List macht bestimmte Karten dauerhaft knapp, und Altered Cards sind eine eigene Welt. Dieser Guide zeigt dir, worauf du bei Magic-Karten konkret achten musst.
Magic-spezifische Besonderheiten beim Grading
Magic unterscheidet sich von anderen TCGs in vier Punkten, die direkt das Grading-Ergebnis beeinflussen:
- Set-Editionen mit Wertunterschied: Alpha (1993, abgerundete Ecken), Beta (1993, eckige Ecken) und Unlimited (1993, weisser Rahmen) wirken auf den ersten Blick ähnlich, können aber das Zehnfache im Wert auseinanderliegen. Eine Verwechslung im Slab-Label ist ein ernsthafter Defekt.
- Reserved List: Wizards of the Coast hat sich verpflichtet, bestimmte Karten – darunter Black Lotus, die Moxen und die Original Dual Lands – nie wieder nachzudrucken. Diese Karten gelten im Sammlermarkt als besonders knapp, gegradete Exemplare entsprechend gefragt.
- Foil-Typen über Editionen hinweg: Premium-Foils (ab Urza's Legacy 1999), Etched Foils, Textured Foils und Surge Foils altern unterschiedlich. Foil-Curling – also leichtes Verziehen der Karte – ist bei älteren Foils üblich und wird bei
Surfaceabgewertet. - Altered Cards: Handbemalte Karten sind in der Magic-Szene verbreitet, werden von den meisten grossen Anbietern aber als „nicht authentisch“ eingestuft. Das ist keine Wertaussage, sondern eine technische Klassifikation.
Worauf du bei Alpha- und Beta-Karten besonders achten musst
Die 1993er Drucke sind aus Sammlersicht der Heilige Gral, aus Grader-Sicht eine Herausforderung. Drei typische Problemzonen:
Zentrierung (Centering). PSA verlangt für eine Grade 10 eine Zentrierung von 55/45 auf der Front und 75/25 auf der Back (Quelle: cardgrader.ai, Stand Februar 2026). Alpha- und Beta-Karten wurden mit der Drucktechnik der frühen 1990er gefertigt, die werkseitige Zentrierung ist häufig schlechter als bei modernen Sets. Eine PSA 10 ist statistisch deutlich seltener als bei modernen Karten.
Ecken (Corners). Alpha-Karten haben werkseitig stärker abgerundete Ecken als Beta. Das ist kein Defekt, sondern Set-Spezifikum – wird aber von unerfahrenen Gradern manchmal als Abnutzung gewertet. Beta-Ecken sind eckig und reagieren empfindlich auf jede Berührung.
Oberfläche (Surface). Print Lines, leichte Druckfehler und Tinten-Inkonsistenzen sind bei Alpha/Beta normal. Erfahrene Grader unterscheiden zwischen Set-typischer Variation und nachträglichem Schaden. Genau hier liegt der Mehrwert eines Grading-Anbieters mit MTG-Vintage-Erfahrung.
Wenn du eine echte Alpha- oder Beta-Karte zum Grading einsendest, solltest du vorab Fotos in hoher Auflösung machen – sowohl für deine Versicherung als auch als Eigenbeleg.
Wertvollste Magic-Karten 2026 (Auswahl)
Die folgende Auswahl zeigt typische Kandidaten für Grading-Einsendungen aus dem DACH-Raum:
| Karte | Set | Reserved List | Warum sie geslabt wird |
|---|---|---|---|
| Black Lotus | Alpha / Beta / Unlimited | ja | Ikonischste Magic-Karte überhaupt – Echtheitszertifizierung Pflicht |
| Mox Sapphire / Ruby / Pearl / Emerald / Jet | Alpha / Beta / Unlimited | ja | Power Nine, Vintage-relevant, Fälschungsrisiko hoch |
| Underground Sea / Volcanic Island (Original Dual Lands) | Alpha / Beta / Unlimited / Revised | ja | Format-relevant, hohe Stückzahlen im Umlauf, Grading hebt seltene Top-Conditions ab |
| Tarmogoyf | Future Sight (Foil) | nein | Moderne Vintage-Klassiker, Foil-Curling als Surface-Faktor |
| Liliana of the Veil | Innistrad (Foil) | nein | Modern-Format-Ikone, hoher Pop-Report bei guten Grades |
Konkrete Marktpreise für gegradete Alpha/Beta-Karten ändern sich schnell und werden hier bewusst nicht genannt – wer aktuelle Werte braucht, prüft Auktionsergebnisse direkt bei spezialisierten Auktionshäusern.
Fälschungs-Erkennung bei Magic-Karten
Gerade bei hochwertigen Magic-Karten gehört Echtheitsprüfung zum Grading dazu. Häufige Fälschungs-Merkmale bei MTG:
- Falsche Kartendicke – das blaue Kern-Papier („blue core“) fehlt bei vielen Fälschungen. Lichttest bei seitlicher Betrachtung zeigt die Schichtung.
- Schriftart und Kerning – Fälschungen haben oft minimal abweichende Buchstabenabstände, vor allem im Mana-Symbol-Bereich.
- Rosette-Pattern auf der Rückseite – das charakteristische Magic-Rückseiten-Muster ist bei Fälschungen oft zu grob gerastert.
- Gewicht und Steifigkeit – original Alpha/Beta-Karten haben ein spezifisches Gewicht, das mit Präzisionswaagen prüfbar ist.
- Holo-Stempel-Position bei modernen Mythic-Rares – seit 2015 mit Hologramm-Stempel, dessen exakte Position und Reflexion ein gutes Authentizitätsmerkmal ist.
ART Grading lehnt Fälschungen ab und sendet sie zurück – ohne Grade. Das ist Standard bei jedem seriösen Anbieter.
Anbietervergleich für Magic-Karten
Die aktuelle Anbieterlage ist im Umbruch: Collectors Holdings – Mutterkonzern von PSA – verhandelt Stand April 2026 über eine Übernahme von BGS (Beckett). Ein Abschluss ist noch nicht bestätigt, eine FTC-Investigation läuft parallel. Für Magic-Sammler im DACH-Raum bleibt CGC der grösste unabhängige US-Anbieter, ART Grading der unabhängige europäische.
| Anbieter | Standort | Standard-Preis | Durchlaufzeit | Stärke bei Magic |
|---|---|---|---|---|
| PSA | USA | ~ CHF 32 / Karte | 45+ Werktage (Economy) | Höchstes Wiederverkaufs-Premium, Marktstandard |
| BGS | USA | vergleichbar PSA | vor Einsenden prüfen | Sub-Grades, Black Label (1–3 % der BGS-10) |
| CGC | USA | ~ CHF 23 / Karte | ~ 25 Tage | Pristine 10 vs Gem Mint 10 – differenzierte Top-Skala |
| ART Grading | Schweiz | ab CHF 25 / Karte | ~ 14 Tage Standard | Keine Zoll-Risiken, CHF-Preise, schnelle DACH-Logistik |
Alle Preise und Zeiten Stand April 2026 – sie ändern sich, also vor dem Einsenden auf der jeweiligen Anbieter-Seite gegenprüfen. Eine ausführliche Bewertungs-Skala und der Grading-Ablauf bei ART Grading sind separat dokumentiert.
Die BGS Sub-Grades (Centering, Corners, Edges, Surface separat) sind bei Magic-Karten besonders nützlich, weil sie zeigen, welches der vier Kriterien die Gesamtnote zieht. Bei einer Beta-Karte mit Centering-Schwäche ist diese Information für den Wiederverkauf relevant.
Altered Cards: ein eigenes Kapitel
Handbemalte Magic-Karten – sogenannte Altered Cards – sind in der Community verbreitet und teils kunstvoll gestaltet. Beim Grading entstehen hier zwei Probleme:
- Authentizitätsfrage: Die Modifikation verändert die Karte gegenüber dem Originalzustand. Die meisten grossen Grader klassifizieren Altered Cards als „nicht authentisch“ oder verweigern die Annahme.
- Bewertungslogik: Die vier Standard-Kriterien (Centering, Corners, Edges, Surface) greifen bei einer übermalten Karte nicht sauber – die Surface-Bewertung wäre per Definition immer beeinträchtigt.
Wenn du eine Altered Card besitzt, die du erhalten willst, ist ein hochwertiger Toploader oder eine Display-Hülle in der Regel der bessere Weg als der Grading-Prozess.
Was bedeutet das für dich?
Grading bei Magic-Karten lohnt sich vor allem in drei Szenarien:
- Vintage-Karten der Reserved List – Echtheitsbeweis und Zustands-Zertifizierung schlagen fast immer den Grading-Aufwand. Wann sich Grading allgemein lohnt, steht im Detail unter Wann lohnt sich Grading?.
- Moderne Foil-Chase-Karten mit hohem Wertpotenzial (Mythic Rares, Secret Lairs, Set-Foil-Variants) – hier zählt eine hohe Grade fürs Wiederverkaufs-Premium.
- Sentimentale Karten – die erste Karte aus der eigenen Magic-Geschichte, in einem Slab dauerhaft konserviert.
Weniger sinnvoll ist Grading bei Karten unter etwa CHF 30 Marktwert – die Gebühr frisst die Marge, der Wertanstieg durch Slab kompensiert das selten. Eine Übersicht der Service-Tiers und Preise findest du separat.
Fazit
Magic: The Gathering ist beim Grading anspruchsvoller als moderne TCGs – Alpha/Beta-Spezifika, Reserved List und Altered Cards verlangen Erfahrung. ART Grading bewertet Magic-Karten nach den gleichen vier Kriterien (Centering, Corners, Edges, Surface) wie Pokémon und Yu-Gi-Oh!, mit dem Vorteil von Schweizer Standort, CHF-Preisen und kürzeren Durchlaufzeiten. Wer Vintage-Karten oder hochwertige moderne Foils einsendet, profitiert besonders von unabhängigem europäischem Grading – Stand April 2026.




